Was lese ich da im Sonntag vom 11. November 2007 auf Seite 6? Benedikt Weibel warnt mich: “Während der drei Euro-Wochen wird nichts sein wie sonst. Es wird für viele mühsamer, zur Arbeit zu fahren, es wird lärmiger”. Nun bin ich aber froh, dass die Euro mich kaum erwischen wird: Mein Arbeitsplatz ist nur wenige Minuten von meinem Wohnsitz entfernt. Aber natürlich leide ich innerlich mit all jenen, die wegen der Euro 08 fest leiden müssen. Ich danke Benedikt Weibel, dass er uns frühzeitig einstimmt auf die Wochen der Tränen.
Nein, der Wein!
Da hatte ich also nun am 2. Oktober 2007 dieses Panelgespräch das meine Partei, der Freisinn, freundlicherweise organisieren half. Echt lieb, die Kumpanen. In der Zeitung stand zwei Tage später natürlich wie es wirklich war. Das ist immer so. Es gilt das veröffentlichte Wort. Was nicht veröffentlicht ist, wurde nicht gesagt. So haben die Mitbürgerinnen und Mitbürger die nicht da waren nicht erfahren, dass ich eine Attacke ritt gegen die SRG zum Beispiel oder wie ich die Interessen des Limmattals hinter den Kulissen im Bundeshaus einbringen würde. Aber da ich ja selber zu lange Journalist war, weiss ich wie schwer das ist. Du musst sieben Leute covern und hast nur 100 Zeilen – mehr gibt Dir Dein Vorgesetzter nicht und jetzt mach mal das Beste draus. Wenn Du es da schaffst, wenigstens eine ausgeglichene Mürrigkeit bei den Beschriebenen auszulösen, hast Du Deine Aufgabe zumindest halbwegs erfüllt. Aber dann kam die Sache des Schlussatzes in der Zeitungsreportage mit dem Wein. Wir hätten der lieben Frau Girsberger nicht mal Wein aus der Region überreicht, sondern welchen aus Spanien. Das tat echt weh. Weil es natürlich stimmt. Als bundesdiplomatisch Erfahrener muss ich zähneknirschend (es bröselt schon) zugeben, dass mir das schlicht echappiert ist. Ich habe lediglich Frau Girsberger gefragt was sie gerne habe und sie sagte, sie fahre nach Spanien in die Ferien jetzt dann gleich und da passe eigentlich Rotwein aus Spanien besser als der obligate Blumenstrauss. Und schon haben wir den Salat. Wir hätten natürlich überhaupt gar nichts fragen sollen und der Frau Moderatorin am Ende der Veranstaltung einfach mit breitem Freudenstrahlen roten und weissen Weiniger ans Herz drücken sollen. Ich gebe es gerne zu und verspreche, mich zu bessern. Jetzt weiss ich wenigstens ganz ganz genau, weshalb ich am 21. Oktober wohl doch zu wenig Stimmen erhalten werde um für die Zukunftspartei FDP in den Nationalrat einmarschieren zu können. In vier Jahren aber, ja dann werde ich es wissen. Uebrigens. Wiessen Sie was? Sie sollten auch bloggen, wenn Sie ein schlechtes Gewissen loswerden wollen. Es hilft wirklich. Judihui. Und noch etwas: Wussten Sie, dass der Weininger Wein immer besser wird? Sehen Sie selbst. Hier sind Bilder und Links. Jetzt ist mein Gewissen noch leichter als die Leichtigkeit des Seins.
Immer wieder Hochzeit feiern
Gabriele Pauli, die bayerische Politikerin die CSU-Präsidentin werden will, hat eine neue Idee lanciert. Ehen sollen nur noch auf 7 Jahre abgeschlossen werden. Danach ist jeder Partner frank und frei sich neu zu liieren oder den bestehenden Ehevertrag zu verlängern. Aufschrei in der katholisch-konservativen Partei! Aber mal abgesehen vom Politischen: Denken wir mal liberal darüber nach. Ist es nicht so, dass gerade in moralisch stark verschlossenen Gegenden wie in jenen, wo katholisch-konservative Parteien vorherrschend sind, es schon Familien geben kann, in denen man sich nicht zu scheiden traut, obwohl man es gerne täte? Wo die konkrete Ehe als Joch empfunden wird aus welchen Gründen auch immer. Hier würde eine Lockerung der idealistischen Idee der Unvergänglichkeit der Ehe wohl schon in vielen Fällen die Lebensqualität Betroffener anheben. So gesehen ist die Idee durchaus prüfenswert. Und: Meine Frau Verena meint, sie würde gerne mit mir ständig neu Hochzeit feiern wollen. Sie liebt Feste.
…lieber Bloggen
Es ist eine hektische Zeit. So hektisch, dass ich kaum zum Updaten meines Blogs komme. Ein Auszug: Am letzten Freitag war ich an einer Podiumsveranstaltung in Turbenthal. Dabei ging es um den Fluglärm. Ein vierer-Podium. Zwei FUER die Initiative der SP, zwei dagegen. Im Saal fast ausschliesslich Flugzeuggegner, das heisst solche, die den Lärm nicht lieben und sich nicht Rechenschaft geben über die Zusammenhänge mit der Wirtschaft. Aber ich muss schon sagen: Als ich nach hause kam in meine Fahrweid, da störten mich plötzlich die Flugzeuge auch. So ein Lärm. Je mehr Lärm um den Lärm gemacht wird, umso lärmiger wird es, glaube ich. Am Samstag morgen dann war Couvert Klebtag. Mein Komitee half. Rührend. 1800 Couverts sind jetzt versandt worden. Am Nachmittag dann ein Lauf in Affoltern am Albis. 12 Km. Bin zufrieden mit meiner Leistung obwohl der Wahlkampf das Tempo schon ein wenig reduziert hat. Am Abend dann der Gewerbeverein Oetwil Geroldswil. Gemütliches Grillieren. Und am Sonntagmorgen der Brunch auf dem Altberg, oberhalb Geroldwil. Dabei hier auch die beiden Ständeratskandidaten und viele weitere Nationalratskandidaten der Region. Im Zwiegespräch merkt man sofort: Es gibt eine Politik A und eine Politik B. A ist das Gestürm in den Medien – zB über die diversesten Geheimpläne und Gegenpläne, die niemanden wirklich interessieren und vor allem niemanden wirklich betreffen. Und B dann das Reale. Die Direktgespräche mit den Menschen. Ueber die wahren Themen, die sie betreffen: Arbeitslosigkeit, Gesundheitskosten, Kriminialität Zukunft der Schweizer Wirtschaft und so weiter. Wahrscheinlich sollte man die Zeitungen nicht mehr ganz so ernst nehmen. Oder nicht mehr so lange darin lesen und dafür besser mit den Menschen reden – oder bloggen.
Spieglein Spieglein an der Wand….
…wer ist der schönste Limmattaler Nationalrat fürs Vaterland? Selbstverständlich finde ich, dass ich es bin, den man wählen müsste. Warum? Schauen wir doch einmal das Job-Profil eines Nationalrates an: Was muss er tun, wieviel hat er zu tun, was muss er wissen, was muss er können um erfolgreich zu sein. Zuerst: Er sollte in Bern vernetzt sein. Er sollte wissen, wie “Bern” funktioniert. Dann: Er sollte Zeit haben. Die Gesetzesarbeit wird ständig komplizierter und aufwendiger. Wer mit vielen Ehren- und anderen Aemtern belastet ist, wird bald müde. Weiter: Er sollte eine breite Hausmacht haben. Mitglied einer kleineren Partei sein ist nett und schön, aber nicht sehr effizient. Er muss in einer Partei sein die vernetzt ist, viele Bundesräte hat und gute Kontakte zu anderen Parteien mit ähnlicher Zielrichtung. Was noch? Er muss wissen, wie das Mediennetzwerk funktioniert. Er sollte mit den Opinion Leaders unter der Bundeskuppel auf Du und Du sein. Aber: Er muss natürlich auch lokal vernetzt sein. Mitgliedschaften in Gewerbe- Industrie, Hauseigentümer- und anderen Vereinen ist absolut notwendig. Anführen muss er diese Clubs aber nicht. Er soll ja in Bern wirken. Deshalb: Vergessen wir die sieben Berge nicht…
Ich will ein neues Sackmesser
Zurzeit gibt es ein Riesentheater um das Armeemesser. Sollen Schweizer Soldaten künftig ein Ding aus China im Sack haben? Nein das darf doch nicht sein, wettern Patrioten und Armeeisten. Sie machen Druck auf den Bundesrat, der eine WTO Ausschreibung vornimmt, wie es heutzutage der Brauch ist in der globalisierten Welt. Schweizer Firmen wollen im Ausland auch zum Zug kommen. Und sie tun es ja auch. Vielerorts jedenfalls, nur vielleicht nicht so gut in Frankreich, aber lassen wir das. Dank dem Tages Anzeiger vom 19. Juli wissen wir jedenfalls, was Herr Elsener zum Messer-Wirbel sagt. Elsener ist 85 jährig, fährt noch jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit und ist der Seniorchef der Victorinox, die das Schneideinstrument seit 1891 fabriziert. Damit ist es eine Tradition, die genau gleich alt ist wie das Instrument der Schweizer Volksinitiative – das nur nebenbei. Also: Elsener also hält gar nichts von Interventionen beim Bundesrat. “Solche Vetternwirtschaft kommt für mich nicht in Frage”, lässt er sich vom Journalisten zitieren. Seine Firma sei kein Staatsbetrieb, und sie müssten sich auf dem Markt behaupten. Seine Instrumente seien konkurrenzfähig. Punkt. Ich glaube ich brauche ein neues Taschenmesser. Keines aus China, eines von Victorinox.
Salami mit Mayonnaise
Ich habe selten so viele Reaktionen erhalten wie auf dieses. An sich ja etwas völlig Belangloses, Uninteressantes und Unpolitisches. Dennoch sorgte es für Aufsehen, und ich hatte viel zu tun mit Rechtfertigen, Erklären, Erläutern etc. Nun muss ich aber endlich sagen, worum es geht: Es ist so: Sie wissen ja, im Limmattal, da gibt es die LiZ Woche Plus. Eines von vielen Gratisblättern in unserer Presselandschaft, eine Landschaft übrigens, die noch mit genau 207 Titeln bestückt ist (1939 waren es noch über 400!). Da erheben sich also nicht mehr so viele Berge wie damals. Dieser aber hier im Limmattal scheint herauszuragen. Denn dieser Anzeiger für das Limmattal hatte mir unlängst eine Plattform geboten, meine “Ansichten der Woche” darzulegen. Was ich denn auch frisch und fröhlich, wenn auch nicht nur fromm und frei, aber immerhin tat. Und sie wurden gelesen. Ich wurde mit Reaktionen geradezu übeschwemmt. Zuerst einmal waren all jene Menschen in meinem persönlichen Umfeld, die ebenfalls sehr gerne unter “was ich mag” aufgeführt worden wären. Das kostete zahlreiche Blumensträusse, Pralinenschachteln, Büchergutscheine und vieles mehr. Die schlimmsten Reaktionen jedoch erhielt ich auf mein Bekenntnis, Salami mit Mayonnaise zu mögen. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, mit wie vielen igittigit-Sauerminen ich da konfrontiert wurde. Wie diese Aussage im Zusammenhang stehe mit meinem politischen Bekenntnis auf der Homepage, wo ich doch so sehr für Prävention im Gesundheitswesen eintrete! Und wenn schon das nicht zusammenpasse: “Wie sieht es dann sonst mit Deinen Politüberzeugungen aus!” Werde ich beschimpft. Ich hätte wohl sagen sollen, dass dieser Salami mit Mayonnaise nicht meine absolute tägliche Grundnahrung darstelle, sondern nur eine fettige Sünde so kurz vor dem Schlafengehen, wo ich im Pyjama kurz vor dem Zähneputzen manchmal zufälligerweise am Kühlschrank in der Küche vorbeihusche, weil noch Geschirr in der Spüle herausgeholt werden muss. Ich werde mich also im Wahlkampf wieder darauf zurückbesinnen, schön politisch-korrekte Aussagen zu machen und nichts mehr von mir erzählen. Ist doch besser so oder?
Irritierender Sarkozy
Es gibt sehr vieles, das mir an der Schweiz gut gefällt. Und in letzter Zeit achte ich mehr darauf als sonst, da ich Material zusammentragen muss für eine 1. August-Rede (wäre eine gute Uebung für alle hierzulande, mal eine 1. August-Rede halten zu müssen). Besonders gefällt mir an der Schweiz die politische Gradlinigkeit. Die Linken politisieren links, die Rechten politisieren rechts, mal von Ausnahmen abgesehen. Auffallen tut mir das, wenn ich westwärts blicke. Da irritiert einiges. Die Franzosen haben einen Bürgerlichen gewählt, den Herrn Sarkozy. Doch wie gebärdet er sich? Heute lese ich in der Neuen Zürcher Zeitung, er wolle der europäischen Notenbank dreinreden damit der Eurokurs sinke und die Exporte angekurbelt würden. Und er wolle Staatsschulden machen um die Wirtschaft zu beleben bis etwa ins Jahr 2010. Schon von früher wissen wir, dass er den Staat aktiv werden lässt, um Firmen aus dem Ausland zu verhindern, Firmen in Frankreich zu kaufen. Lauter Postulate des Etatismus. Da lobe ich mir die Schweiz: Hier herrscht klare Trennung zwischen Staat und Notenbank, die Verschuldung zu dämmen ist ein klares Kernanliegen der Politik und Heimatschutz für Schweizer Firmen betreibt man auch keinen. Alles gute Voraussetzungen für einen fitten Standort der Zukunft. ![]()
Land der begrenzten Möglichkeiten
Ich denke es ist an der Zeit, dass ich auch einmal meine Haltung zu Amerika offen lege. Die Frage wie man zu den Vereinigten Staaten steht, ist für viele ja ein Hinweis darauf, wie man politisiert. Hier bin ich klar der Meinung dass es verhängnisvoll wäre, wenn die USA sich aus dem Irak zurückzöge. Bewusst gehe ich nicht ein auf die Umstände, die zu diesem Engagement führten. Blog-Einträge sollen ja kurz und prägnant sein. Deshalb mein Fokus auf das “wie weiter”. Und hier denke ich ein Abzug Hals über Kopf würde unsere Wirtschaft im Westen arg in Mitleidenschaft ziehen. Mit einem sicherheitspolitischen Chaos in der Golfregion wäre wohl zu rechnen verbunden mit den Implikationen auf unsere Versorgungslage hier im Westen. Die internationale Situation ist ohnehin labiler geworden im vergangenen Jahr und demokratisch hoffnungsvolle Entwicklungen sind an verschiedenen Orten zum Stillstand gekommen (zB Russland).
Lob der Sturheit
Da gibt es also einen Herrn Spillmann in Oetwil (Bild). Einen überaus netten Herrn. Er liebt Skifahren in Zermatt und Bergbeizli auf jedem Hoger. Mehr noch: Er hat einen Bergbeizli-Führer herausgegeben. Muss ich haben! Liebe die Berge! Aber Herr Spillmann hat nicht nur gewisse Dinge einfach gern, nein: Es gibt Dinge, die er absolut nicht mag. Zum Beispiel “sture Politiker”. Das lernen wir aus der Gratiszeitung LiZ Woche Plus, die Donnerstags in alle Limmattaler Haushaltungen schneit. (Geheimtip: Die Kolumne auf der letzten Seite ist UMWERFEND!) Es ist ganz klar: Eine Zeitschrift, die gelesen wird (wie Figura zeigt!). Kehren wir zurück: Sture Politiker mag also Herr Spillmann nicht. Das aber beschäftigt mich. Bin ich ein sturer Politiker, wenn ich Grundsätze habe, diese vertrete und bereit bin, auch dann nicht davon abzuweichen wenn jemand zu mir sagt ich sei ein sturer Politiker? Wohl möglich. Möglich deshalb auch, dass gewisse Personen, die sture Politiker nicht mögen dies dann tun, wenn jene Politker Ansichten vertreten, die nicht die ihren sind und dennoch daran festhalten. Da muss ich eines sagen: Ich mag sture Politiker. Gradlinig müssen sie sein. Ich bin zufrieden mit einem sturen Sozialdemokraten. Da weiss man was man hat und kann damit umgehen. Und seine Sicht der Dinge hat ja auch wirklich was. Und: Ich bin zufrieden mit einem sturen Grünen, der klar zu seiner Sicht des Klimawandels steht (die sicher nicht die meine ist) und ohne Umschweife Argumente liefert. Ich kann den Grünen verstehen, auch wenn ich andere Prioritäten setze. Was ich aber partout nicht mag sind die Wischiwäscheler. Jene, die stets so tun, als wären sie auf meiner Seite jetzt – da sie gerade mit mir schwatzen – um nachher – hinterher, doch ganz anders zu reden und zu stimmen. Ich finde, der Bürger soll wissen, was er wählt. Und das Schicksal möge mich davor behüten, nach der Wahl etwas tun zu müssen, das ich im Vorfeld nicht versprochen hatte. Uebrigens hier noch der Link zum Bergbeizli-Führer. Ich denke, das bin ich Herrn Richi Spillmann aus Oetwil schuldig: www.bergbeizli.ch. Danke für Ihren Besuch. Sie schonen mein Gewissen.
