Ich denke es ist an der Zeit, dass ich auch einmal meine Haltung zu Amerika offen lege. Die Frage wie man zu den Vereinigten Staaten steht, ist für viele ja ein Hinweis darauf, wie man politisiert. Hier bin ich klar der Meinung dass es verhängnisvoll wäre, wenn die USA sich aus dem Irak zurückzöge. Bewusst gehe ich nicht ein auf die Umstände, die zu diesem Engagement führten. Blog-Einträge sollen ja kurz und prägnant sein. Deshalb mein Fokus auf das „wie weiter“. Und hier denke ich ein Abzug Hals über Kopf würde unsere Wirtschaft im Westen arg in Mitleidenschaft ziehen. Mit einem sicherheitspolitischen Chaos in der Golfregion wäre wohl zu rechnen verbunden mit den Implikationen auf unsere Versorgungslage hier im Westen. Die internationale Situation ist ohnehin labiler geworden im vergangenen Jahr und demokratisch hoffnungsvolle Entwicklungen sind an verschiedenen Orten zum Stillstand gekommen (zB Russland).
Archiv für Juni, 2007
Lob der Sturheit
Da gibt es also einen Herrn Spillmann in Oetwil (Bild). Einen überaus netten Herrn. Er liebt Skifahren in Zermatt und Bergbeizli auf jedem Hoger. Mehr noch: Er hat einen Bergbeizli-Führer herausgegeben. Muss ich haben! Liebe die Berge! Aber Herr Spillmann hat nicht nur gewisse Dinge einfach gern, nein: Es gibt Dinge, die er absolut nicht mag. Zum Beispiel „sture Politiker“. Das lernen wir aus der Gratiszeitung LiZ Woche Plus, die Donnerstags in alle Limmattaler Haushaltungen schneit. (Geheimtip: Die Kolumne auf der letzten Seite ist UMWERFEND!) Es ist ganz klar: Eine Zeitschrift, die gelesen wird (wie Figura zeigt!). Kehren wir zurück: Sture Politiker mag also Herr Spillmann nicht. Das aber beschäftigt mich. Bin ich ein sturer Politiker, wenn ich Grundsätze habe, diese vertrete und bereit bin, auch dann nicht davon abzuweichen wenn jemand zu mir sagt ich sei ein sturer Politiker? Wohl möglich. Möglich deshalb auch, dass gewisse Personen, die sture Politiker nicht mögen dies dann tun, wenn jene Politker Ansichten vertreten, die nicht die ihren sind und dennoch daran festhalten. Da muss ich eines sagen: Ich mag sture Politiker. Gradlinig müssen sie sein. Ich bin zufrieden mit einem sturen Sozialdemokraten. Da weiss man was man hat und kann damit umgehen. Und seine Sicht der Dinge hat ja auch wirklich was. Und: Ich bin zufrieden mit einem sturen Grünen, der klar zu seiner Sicht des Klimawandels steht (die sicher nicht die meine ist) und ohne Umschweife Argumente liefert. Ich kann den Grünen verstehen, auch wenn ich andere Prioritäten setze. Was ich aber partout nicht mag sind die Wischiwäscheler. Jene, die stets so tun, als wären sie auf meiner Seite jetzt – da sie gerade mit mir schwatzen – um nachher – hinterher, doch ganz anders zu reden und zu stimmen. Ich finde, der Bürger soll wissen, was er wählt. Und das Schicksal möge mich davor behüten, nach der Wahl etwas tun zu müssen, das ich im Vorfeld nicht versprochen hatte. Uebrigens hier noch der Link zum Bergbeizli-Führer. Ich denke, das bin ich Herrn Richi Spillmann aus Oetwil schuldig: www.bergbeizli.ch. Danke für Ihren Besuch. Sie schonen mein Gewissen.
Risiko
Nein nein, das hier bin nicht ich, (siehe unten)
Nach zwei anstrengenden Tagen im Berner Oberland bin ich wieder zurück in meinem Limmattal. Und habe heute teilgenommen an einem Grossanlass in Schlieren. Am Innovationsbrunch, zu dem die Wirtschaftförderung von Schlieren einlud. Peter Voser, der Gemeindepräsident, Peter Hofstetter, Inhaber von Mediaxis, Andreas Geistlich, der Präsident der gleichnamigen Firma und sein Marketingchef Patrick Kuster: Sie alle hielten aufschlussreiche und professionelle Referate. Doch was dann kam war von einer anderen Welt: Ueli Steck, (oben im Bild) Extremkletterer, zog sein Publikum mit einer Dia- und Filmshow total in den Bann. Mir wurde schon mulmig, wenn ich mir vorstellte, etwas ähnliches tun zu wollen. Das Risiko, das Ueli Steck auf sich nimmt, ist bewundernswert. Natürlich kann man mäkeln, wenn er in einer Wand nicht mehr weiter weiss komme der Helikopter. Aber ich wäre mir da gar nicht so sicher, dass da jedes Mal die Zeit reichen würde. Und natürlich kann man sagen, er tut das alles freiwillig, niemand zwingt ihn dazu etc. Anderseits finde ich es schon begrüssenswert, wenn es Menschen gibt, die solche Extremleistungen vollbringen. Sie dienen zumindest unserer Unterhaltung und das ist ja in unserer Arbeitswelt auch schon etwas. Und die Botschaft, die Ueli aussendet, inspiriert ja alle ein wenig. Ein Ziel ins Auge fassen und es hartnäckig verfolgen – bei Rückschlägen nicht aufgeben – bis man erreicht was man will. Das Leben ist halt wie in der Schule. Vieles kriegte dort klein Bruno serviert, aber es ging irgendwie nicht hinein. Wenn dann aber jemand die Botschaft anders verpackt, packt sie uns und wir wollen es nachahmen. Viele Menschen wollen sich nie ändern wenn ihnen jemand sagt sie sollten dies tun. Wenn sie aber ein Vorbild entdecken, tun sie plötzlich Dinge ganz freiwillig, die sie nie unter Zwang gemacht hätten. Was Ueli Steck uns mit seinen Bergen zeigen wollte, hätte Peter Hofstetter mit seiner Geschichte der Mediaxis oder Andreas Geistlich mit seiner Geistlich nicht besser erläutern können. Obwohl auch diese beiden dastehen als Menschen, die Risiko nehmen und Erfolge vorweisen. Solche Veranstaltungen helfen mit, dem Limmattal Mut zum Risiko zu machen. Sie sollten noch häufiger stattfinden.
ZKB O Weh O Weh!
Das hat gerade noch gefehlt! ZKB und Sulzer waren offenbar noch nicht genug. Jetzt hat sich Hans Vögeli noch persönlich daran bereichert! Man traut seinen Augen nicht, wenn man die Schlagzeilen liest. Oder tragen wir alle die falsche Brille? Sind die Chefs grosser Firmen alle nichts als Abzocker und Profitehamster, wie uns eine gewisse Presse glauben machen will? Man möchte dies im Grunde nicht annehmen wollen. Noch immer gehen wir davon aus, dass die Mehrheit der Verantwortungsträger seriös zu ihrer Aufgabe steht. Wie sonst könnte denn die Wirtschaft funktionieren? Aber der Fall ZKB schafft Zweifel. Ist Vögeli nur die Spitze des Eisbergs? Oder ist die Aufsicht schuld, die im Fall der ZKB versagt? Und warum versagt sie? Weil sie eine Firma ist, wo der Staat viel zu sagen hat wie damals bei der Swissair? Man mag den Gedanken gar nicht weiterspinnen. Einer jedenfalls tut mir ehrlich leid. Es ist ZKB Pressesprecher Urs Ackermann. Was hat dieser Mann in den letzten Jahren nicht schon alles kommunizieren müssen! Er hat durch seine aufrichtige und klare Haltung alle Stürme überlebt. Mehr noch: Er wurde wiederholt von den Medien als bester Pressesprecher überhaupt geehrt. Nun nimmt mich nur noch eines wunder: Wie hoch ist die Abfindung von Hans Vögeli? Wir bleiben dran.
Lieber Reisender
Heute in der S-Bahn nach Zürich. Ich im Abteil, Rest frei. Du kommst rein, setzest Dich hin und grüssest mich freundlich. Du fragst nicht ob frei ist hier, was das übliche Ritual wäre. Dafür grüssest Du, was üblicherweise niemand macht. „Tschuldigung-ist-hier-frei-merci“ Ruhe und aus dem Fenster schauen. Das ist das Normale. Du nicht!. Deine Zigaretten legst Du auf das Fensterbrett – mit Feuerzeug. Erst allmählich sehe ich, Du etwa in meinem Alter, dass Du zitterst. Dein überschlagenes Bein ist unablässig in Bewegung. Du pfeifst ständig durch die Zähne. Es ist dieses nervige Zischpfeifen, das alle verrückt macht und Zeichen Deiner Nervosität ist. Dann nimmst Du plötzlich eine Schnupftabakdose und ziehst ein Häufelchen ein. Du tust mir leid. Du bist nicht allein, es gibt einige wie Du. Natürlich glaube ich wie viele auch, die so enden seien selber schuld. Dennoch lässt das Bild an Dich mich nicht los. Du bist ein Mensch wie ich. Etwa im selben Alter. Hast Beine und Arme wie ich auch. Wie kommt solches? Der einfachste Trost ist die Aussage, dass halt jede Gesellschaft ein paar Prozente solcher Menschen hat und sie mittragen muss und auch mitragen kann. Abhaken, einordnen, statistisch erledigt. Komplizierter wird es, wenn man erkennt – wie ich – dass es im Laufe der Zeit irgendwie mehr davon hat. Der Schritt zum nächsten Gedanken, jenem der kranken Gesellschaft nämlich, ist dann nur kurz. Doch weist man den weit fort von sich da man ja – als politisch denkender Mensch – sagen müsste, wie die Gesellschaft zu kurieren wäre. Es gibt natürlich Menschen, mit sehr klaren und einfachen Rezepten. Diese Rezepte haben sicher etwas. Aus meiner liberalen Sicht aber greifen pauschale Urteile und Remeduren immer zu kurz. Ich denke, wir sind in unserer Gesellschaft konfrontiert mit verschiedenen Gesellschaftsschichten und verschiedenen Lebensstilen. Wer weiss denn, ob Du Dich in Deiner Haut nicht doch irgendwie wohl fühlst? Vielleicht willst Du gar niemand anderes sein als der zischpfeifende, Schnupftabak konsumierende Mensch. Es gibt so viele Wege durchs Leben zu gehen. Natürlich möchte ich aber von meinem nicht abkommen. Vielleicht gehört es aber auch zu liberaler Toleranz, auch Lebensstile wie Deinen Ernst zu nehmen und mit Respekt zu begegnen. Gut hast Du mich nicht nach Geld gefragt. Ich hätte wohl ein Gespräch mit Dir begonnen. So rede ich zu Dir halt indirekt. Viele Grüsse
Lunch am Pool
Ronald Reagan führte Tagebuch. Deshalb weiss nun die ganze Welt, wann er mit den Wicks einen Lunch am Pool einnahm. Ich sollte eigentlich auch Tagebuch führen, finde ich. Denn interessanterweise hat mich bei der heutigen Zeitungslektüre (ich beginne damit immer um 06:00 wie es sich für politisch Interessierte gehört) dieser Hinweis länger aufgehalten als die Senkung des Umwandlungssatzes. Dabei ist letzteres viel wichtiger. Es wird mich treffen, denn 2015 bin ich auch pensioniert. Und der Umwandlungssatz ist eine Folge der Demographie und der Börsenperformance und somit eigentlich gar kein politisches Problem. Aber ich habe versprochen gegen Sozialabbau zu sein und somit bin ich für den Entscheid des Parlaments. Uebrigens auch in bezug auf Patentrecht. Denn ich stütze unsere Schweizer Interessen wo ich kann und die pharmazeutische Industrie ist nun mal sehr bedeutend. Ohne sie können wir einiges vergessen. Nun aber will ich brav wieder Ronald Reagan nacheifern und die Feder des Tages ergreifen und brav berichten dass ich gestern dabei sein durfte „Lunch mit Underberg und Wanner“ zu geniessen. Es war zwar kein Lunch sondern ein Apéro am Abend aber immerhin: Am 8. Forum Wirtschaftsstandort „mit Blick in die weite Welt“ wie der organisierende Limmattaler heute schreibt war die Limmattaler Wirtschafts- und Politprominenz anwesend und kam auf ihre Kosten. Reto Müller, der CEO von Helbling war ausserordentlich faktenreich und detailgenau und Frau Hubertine Underberg („Mein Vorname stammt von meinem Ur-Urgrossvater“) überzeugte mich durch ihre Vielfalt. Sie schaffte es, ihr Produkt als Medikament anzupreisen (ich wähnte mich schon an einer Senioren-Kaffeefahrt), eine äusserst spannende Familiengeschichte nachzuzeichnen und erst noch mit geschichtlichem Flair zu glänzen mit Anleihen an die Globalisierung im römischen Reich (die Thebener dienten in Xanten). Danach schritt sie noch von Tisch zu Tisch und verteilte Ihre kleinen Fläschchen, die aus Kopierschutzgründen nur in dieser einen kleinen Form auftauchen und in den Weltkriegen deshalb nicht produziert wurden, weil die Kräuter aus 43 Ländern stammen und damals nicht beibringbar waren. Und auf ein minderes Produkt wollte man nicht ausweichen weil dies der Marke geschadet hätte. Das finde ich stark und die Familie – nun in der 6. Generation – ist wirklich sehr interessant. Mal sehen was ich heute erleben werde….
Ode an den Cervelat
Oh Du min Cervilaaa!!
Stohsch ächt bald ganz ohni Hülle da??
Mues d Schwyz sich das lo gfalle la?
Und mues d Cervilaa Prominenz au hüllelos da stah?
unbekannter Künstler
Keine Benzinpreiserhöhung
Kurz und knapp: Ich bin gegen die Erhöhung des Benzinpreises im Abtausch mit dem Wegfall der Motorfahrzeugsteuern. Das schafft neue Ungerechtigkeiten und stoppt die Wirtschaft.
BVG: Altersstrafe muss weg
Ich bin wirklich froh, dass das Parlament den Bundesrat übersteuert im Bereich der Altersstrafe im BVG. Es ist dringend notwendig, dass die Diskriminierung von Arbeitssuchenden jenseits der 50 Jahre-Schwelle aufhören kann. Selbstverständlich ist klar, dass diese Zusatzbelastung im BVG nötig war für die Eintrittsgeneration, die andernfalls zu geringe Alterssparkapitalien gehabt hätte. Der negative Effekt im Stellenmarkt überwiegt aber diese Problematik heute und der Bund wird hier wohl in die Lücke springen müssen. Aeltere Arbeitskräfte sind dringend nötig und sie dürfen nicht durch solche Hemmnisse für Arbeitgeber unbezahlbar sein.
Freispruch für Swissair-Bosse
Ja, ja, ja ich weiss: Nicht auch noch etwas darüber schreiben. Alle schreiben ja darüber und es ist wirklich genug davon überall zu sehen. Aber als ich heute abend Rad fahren ging – Oetwil-Hüttiker, dann Boppelsen, den Regensberger hoch aber nach der Höhe rechts abgebogen durchs Grüne, das Städtli hinten links liegen lassend und hinunter nach Buchs – quer durchs Tal und über den Winiger wieder nach hause – da also habe ich schon zu studieren begonnen. Freispruch für wen und was eigentlich? Auch ein Freispruch für den Freisinn, meine Partei? Sie war ja auf der Anklagebank, erlitt Wählereinbussen und ist erst heute wieder im Begriff, Terrain zurückzugewinnen wie die Regierungsratswahlen im Kanton Zürich so deutlich zeigten. Sicher ein Freispruch für jene, die standhaft waren und sich immer schon bewusst waren, keine Fehler im bösartigen Sinn begangen zu haben. Wer in eine Rolle befördert wird, der er nicht gewachsen ist, hat ja nicht nur allein die Schuld. Auch jene, die den Beförderungsentscheid fällten, sind genauso am Pranger oder sollten es wenigstens sein. Schlimm ist ja nicht das Versagen. Das passiert so vielen und kann jedem passieren. Schlimm sind die Selbstmitleidorgien, vor allem wenn sie zwischen Buchdeckeln daherkommen. Jeder weiss, dasss Selbstmitleid nun wirklich nirgendwo hinführt es sei denn noch tiefer in den Seelendunkelschmerzwehkeller. Die haben also durch den Freispruch nichts gewonnen. Der Fall zeigt, dass unsere Gerichte funktionieren. Es ist nicht die Stimmung, die Recht spricht. Es ist der Rechtsstaat. Manchmal braucht er etwas Zeit, aber im Grunde funktioniert er. Natürlich hinterlässt der Fall ein schales Gefühl. Auch ich war wütend über den Dilettantismus der die Swissairoberen regierte. Zentral für die Beurteilung aber ist die Moral. Sie haben sich offensichtlich nichts zuschulden kommen lassen. Strafrechtlich relevant war ihr Verhalten nicht. Nur nicht professionell. Es waren also nicht die Bösen am Ruder, sondern einfach die Falschen. Wirklich beruhigend ist dieser Befund natürlich nicht, ich weiss. Aber das ist alles, was mir während des Rad fahrens in den Sinn kam. Und ich weiss ja: Velofahrer haben es vor allem in den Beinen. Also kann auch ich nichts dafür, wenn ich jetzt eine Wertung gebe, die nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Dass ich velo fahre ist nicht mein Fehler. Das wurde mir in die Wiege gelegt.
