Ja, ja, ja ich weiss: Nicht auch noch etwas darüber schreiben. Alle schreiben ja darüber und es ist wirklich genug davon überall zu sehen. Aber als ich heute abend Rad fahren ging – Oetwil-Hüttiker, dann Boppelsen, den Regensberger hoch aber nach der Höhe rechts abgebogen durchs Grüne, das Städtli hinten links liegen lassend und hinunter nach Buchs – quer durchs Tal und über den Winiger wieder nach hause – da also habe ich schon zu studieren begonnen. Freispruch für wen und was eigentlich? Auch ein Freispruch für den Freisinn, meine Partei? Sie war ja auf der Anklagebank, erlitt Wählereinbussen und ist erst heute wieder im Begriff, Terrain zurückzugewinnen wie die Regierungsratswahlen im Kanton Zürich so deutlich zeigten. Sicher ein Freispruch für jene, die standhaft waren und sich immer schon bewusst waren, keine Fehler im bösartigen Sinn begangen zu haben. Wer in eine Rolle befördert wird, der er nicht gewachsen ist, hat ja nicht nur allein die Schuld. Auch jene, die den Beförderungsentscheid fällten, sind genauso am Pranger oder sollten es wenigstens sein. Schlimm ist ja nicht das Versagen. Das passiert so vielen und kann jedem passieren. Schlimm sind die Selbstmitleidorgien, vor allem wenn sie zwischen Buchdeckeln daherkommen. Jeder weiss, dasss Selbstmitleid nun wirklich nirgendwo hinführt es sei denn noch tiefer in den Seelendunkelschmerzwehkeller. Die haben also durch den Freispruch nichts gewonnen. Der Fall zeigt, dass unsere Gerichte funktionieren. Es ist nicht die Stimmung, die Recht spricht. Es ist der Rechtsstaat. Manchmal braucht er etwas Zeit, aber im Grunde funktioniert er. Natürlich hinterlässt der Fall ein schales Gefühl. Auch ich war wütend über den Dilettantismus der die Swissairoberen regierte. Zentral für die Beurteilung aber ist die Moral. Sie haben sich offensichtlich nichts zuschulden kommen lassen. Strafrechtlich relevant war ihr Verhalten nicht. Nur nicht professionell. Es waren also nicht die Bösen am Ruder, sondern einfach die Falschen. Wirklich beruhigend ist dieser Befund natürlich nicht, ich weiss. Aber das ist alles, was mir während des Rad fahrens in den Sinn kam. Und ich weiss ja: Velofahrer haben es vor allem in den Beinen. Also kann auch ich nichts dafür, wenn ich jetzt eine Wertung gebe, die nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Dass ich velo fahre ist nicht mein Fehler. Das wurde mir in die Wiege gelegt.